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Überblick über die Geschichte der Gesellschaft der Freunde und Förderer der HWP e.V.

I. Zur aktuellen Situation

Fakt ist erstens: Die Gesellschaft der Freunde und Förderer der HWP e.V. mit Sitz in Hamburg (GdFF) gibt es immer noch. Sie hat die HWP seit 1952 ständig aktiv begleitet und ist als Verein selbständig geblieben. Sie besteht also seit rd. 55 Jahren und verfolgt nach wie vor ihren Satzungszweck. Seit 1952 hat sich diese Gesellschaft für den sozialen Ausgleich und die sachliche Erörterung aller Fragen der Sozial- und Wirtschaftsordnung eingesetzt und tut dies auch künftig. Die Wege zu diesem Ziel waren und sind bekanntlich vielfältig und abhängig von der jeweiligen historischen Situation von Gesellschaft und Wirtschaft. Trotzdem sind die einzuschlagenden Wege nicht beliebig. Sie orientieren sich vielmehr an der Tradition der Institution, die als "Akademie für Gemeinwirtschaft" gegründet wurde, später der gesellschaftlichen Entwicklung folgend die Bezeichnungen "Akademie für Wirtschaft und Politik", "Hochschule für Wirtschaft und Politik" und schließlich "Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik" hatte.

Diese Institution wurde über die Jahrzehnte hinweg durch Studierende geprägt, die sich durch eigene berufliche Praxis und eigene Bildungsanstrengungen so qualifizierten, dass sie über eine Aufnahmeprüfung den Zugang zu einem wissenschaftlichen Studium erreichten. Zugleich mussten und müssen Studierende ohne Abitur die für das Studium erforderlichen, jedoch oft fehlenden schulischen Kenntnisse im Grundstudium zusätzlich erwerben. Die GdFF unterstützt deshalb alle Aktivitäten, die den Studierenden bei der überwindung der Probleme in der ersten Phase des Studiums nützlich sind. Deshalb setzt die GdFF auf eine intensive Kooperation mit dem "Institut für Weiterbildung"

Fakt ist zweitens: Die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik ist per 1. April 2005 mit der Universität Hamburg organisatorisch verschmolzen worden. Die betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche, soziologische und rechtswissenschaftliche Kompetenz ist auf die Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg übergegangen und dort gerne aufgenommen worden. Die HWP hat ihre juristische Selbständigkeit verloren und ist seit 2005 zuerst als Department Wirtschaft und Politik jetzt als Fachbereich Sozialökonomie. Dieser Weg in die Unselbständigkeit beruht auf den Entscheidungen des Hamburger CDU-Senats und der CDU-Mehrheit in der Hamburger Bürgerschaft. Als politischer Merkposten bleibt der Hinweis, dass sich der CDU-Senat bis zuletzt weigerte, die Gründe für seine Entscheidung offen zu legen. Weder der Bürgerschaft, also dem Hamburger Parlament, noch dem mit der Fusion befassten Ausschuss dieses Parlaments gelang es, die Gründe zu erfahren. Dabei sind wir, unsere Wirtschaft wie unsere Gesellschaft insgesamt, nach wie vor und künftig verstärkt darauf angewiesen, natur- wie geisteswissenschaftlich profund Ausgebildete hervorzubringen und zur Hand zu haben, wollen wir die Konkurrenz zu anderen Gesellschaften erfolgreich bestehen. Die OECD hat mit ihren Untersuchungen seit langem darauf hingewiesen, dass ein allgemeiner Anstieg der Zahl der Studierenden schon deshalb notwendig ist, um angesichts der demographisch bedingten Rückgänge von qualifizierten Arbeitskräften dieser Entwicklung zu begegnen. In Deutschland reicht der Anstieg der Bildungsbeteiligung nicht einmal aus, diesen Rückgang zu kompensieren, ganz zu schweigen davon, den künftig wesentlich komplexeren Anforderungen des Arbeitsmarktes zu genügen und die Dynamik seiner Veränderungen in das Bildungssystem aufzunehmen. Allein die Kompetenz, das lebenslange Lernen für sich selbst zu organisieren, setzt heute mehr Wissen, mehr formale Qualifikation voraus. Schon deshalb müsste die Akademikerquote in der Bundesrepublik deutlich angehoben werden. Wie notwendig dies ist, zeigen internationale Vergleiche noch deutlicher. Wie abhängig die Bildungslaufbahnen von der sozialen Herkunft sind, zeigt folgender Vergleich: Von je 100 Kindern aus der oberen sozialen Lage erreichen 85 die gymnasiale Oberstufe und beginnen 81 ein Studium. Dagegen erreichen von je 100 Kindern aus der unteren sozialen Lage nur 36 die gymnasiale Oberstufe und beginnen 11 ein Studium.

Nach alledem müssten mehr Möglichkeiten zum Studium geschaffen werden. Eine deutliche Erhöhung der Akademikerquote müsste insbesondere in den Bevölkerungsgruppen angestrebt werden, aus denen nur 11 von 100 Kindern ein Studium beginnen. Angesichts unseres selektierenden Schulsystems wäre es erforderlich, viele Wege neben dem Abitur zur Hochschule zu öffnen. Die HWP war die richtige Antwort auf diese Anforderungen. Schon deshalb hätte man sie erhalten und bundesweit mehr davon einrichten müssen. Die GdFF setzt sich unverdrossen dafür ein, dass Berufserfahrene mit und ohne Abitur eine solide interdisziplinäre wissenschaftliche Ausbildung erhalten können. Berufserfahrene ohne Abitur sollen wie bisher über eine Aufnahmeprüfung zum Studium zugelassen werden.

II. Wie wir wurden, was wir sind

Nachdem im Herbst 1948 auf Initiative von Hamburger Sozialdemokraten, den Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Produktions- und Einkaufsgenossenschaften die "Akademie für Gemeinwirtschaft" mit Sitz in Hamburg, Mollerstraße 10, ihre Ausbildungstätigkeit aufgenommen hatte, war es der Wunsch der Absolventen der ersten beiden Jahrgänge und der damaligen Dozenten, eine Vereinigung zu gründen, Acht ehemalige Studierende gründeten als Verein die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Akademie für Gemeinwirtschaft mit Sitz in der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Eintragung im Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg erfolgte am 29. März 1952 unter der Nr. 4908. Die von einer Teilnehmerin und sieben Teilnehmern der Gründungsversammlung beschlossene Satzung sah von vornherein als Zweck der Gesellschaft keineswegs nur die Pflege der Beziehungen unter den Mitgliedern und zwischen den Absolventen und "ihrer" Akademie vor. Von Anfang an war an eine tatkräftige Werbung für das wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studium an der Akademie und für den Gedanken der sozialen und gemeinwirtschaftlichen Hochschule gedacht.

Diese Zielsetzung wurde besonders deutlich von dem Gründungsmitglied Walter Meis betont: "Es gibt viele Vereine, deren Ziel vornehmlich in der Erfüllung der Eigeninteressen ihrer Mitglieder besteht. Man geht z.B. miteinander auf Wanderungen oder Reisen, betreibt Sport, veranstaltet Stunden der Lebensfreude, Erbauung und Erholung, pflegt die persönliche Erinnerung an gemeinsam Erlebtes, Geleistetes oder Gelittenes, findet sich zur gegenseitigen beruflichen Unterstützung, geistigen Weiterbildung oder musischen Betätigung zusammen usw.

Auch unsere Vereinigung erblickt fast in allen diesen realen Ausdrucksformen, Wirkungsweisen und Gestaltungsmöglichkeiten des Kontaktverhältnisses ihrer Mitglieder einen wesentlichen Bestandteil ihrer Aufgaben. Sie erschöpft sich aber nicht darin, sich nur diesen - sagen wir 'Primärbedürfnissen' ihrer Mitglieder zu widmen. Die Vereinigung will sich darüber hinaus in den Dienst der Idee einer sozialen und gemeinwirtschaftlichen Hochschule stellen". Diese Zielsetzungen kommen in § 2 der Satzung von 1952 deutlich zum Ausdruck:

"Der Verein verfolgt den Zweck:

1. die Verbindung der ehemaligen Studierenden untereinander und mit den Dozenten, Assistenten und Studierenden der Akademie zu pflegen;

2. den ehemaligen Studierenden der Akademie in ihrem beruflichen Fortkommen behilflich zu sein;

3. für das wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studium an der Akademie sowie für den Gedanken der sozialen und gemeinwirtschaftlichen Hochschule zu werben und Förderer zu gewinnen;

4. die Forschungsarbeiten der Akademie zu unterstützen".

In dem Maße, wie sich der Kreis der Absolventen vergrößerte und die Kontaktpflege schon aus räumlichen, technischen und organisatorischen Gründen zunehmend schwieriger wurde, verschoben sich auch die Schwerpunkte der Vereinsarbeit. Der Gesellschaft ging es, je länger sie existierte, vorrangig darum, sich für den Gedanken des sozialen Ausgleichs und die sachliche Erörterung und Klärung aller Fragen der Sozial- und Wirtschaftsordnung einzusetzen und mit der Akademie, besonders auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung, zusammenzuarbeiten. Diese erweiterte Zielsetzung der Gesellschaft fand bereits 1953 in einer Satzungsänderung ihren Niederschlag und hat bis heute Bestand. Nicht zuletzt diesem Umstand dürfte es zu verdanken sein, dass die Gesellschaft nicht nur ein Zusammenschluss von ehemaligen Studierenden ist, sondern auch einen erheblichen Anteil von Mitgliedern hat, die weder an der HWP studiert noch dort gearbeitet haben, in den satzungsgemäßen Zielen der Gesellschaft aber ein unterstützenswertes Anliegen sehen.

Im Gründungsjahr der Gesellschaft beschränkte sich die Mitgliederwerbung ausschließlich auf Dozenten, Assistenten, Angestellte und Absolventen der Akademie. Zum Jahresende 1952 hatte die Gesellschaft immerhin 135 Frauen und Männer als Mitglieder geworben. In den folgenden Jahren konnten zahlreiche juristische Personen, vor allem aus dem konsumgenossenschaftlichen Bereich und der Montanindustrie, als Mitglieder geworben werden. Bereits bis zum Ende des Jahres 1955 stieg die" Zahl der Mitglieder auf insgesamt 439, davon 387 natürliche Personen, 28 Genossenschaften (einschließlich Bauvereine), 7 Verbände, 10 Aktiengesellschaften (Montanindustrie usw.) sowie 7 Banken und Versicherungen. Den höchsten Mitgliederstand erreichte die Gesellschaft im Jahre 1973 mit 1.645. Im Anschluss daran hat sich das Niveau bis heute auf ca. 600 Mitglieder eingependelt mit seit 2007 wieder steigender Tendenz.

In den bald 55 Jahren ihres Bestehens zeichnet sich die Gesellschaft durch eine hohe Kontinuität in ihren Arbeitsschwerpunkten aus. Dafür sind im wesentlichen zwei Gründe zu nennen. Einmal gibt die Satzung der Gesellschaft seit 1953 einen unveränderten Rahmen für die Aktivitäten vor. Zum anderen hat sich bei den Mitgliedern über die Jahrzehnte hinweg ein grundlegender Konsens über die Aufgabe und Funktion der Gesellschaft herausgebildet, der nie wirklich in Frage gestellt wurde. Dies kann im positiven Sinn des Wortes als wertkonservativ bezeichnet werden, ist aber vor allem Ausdruck einer hohen Identifikation der Mitglieder mit der Hochschule und ihrem Freundes- und Fördererkreis. Die Schwerpunkte der Arbeit lassen sich weitgehend in drei Kategorien einteilen:

Da sind zum einen die jährlichen Mitgliederversammlungen und die fast immer damit verbundenen Arbeitstagungen. Letztere bieten wissenschaftliche Vorträge und Diskussionen über aktuelle Themen und sind keineswegs nur für die Mitglieder der Gesellschaft gedacht. Zum anderen führte die Gesellschaft seit ihrer Gründung und bis Ende der siebziger Jahre regelmäßig öffentliche Vortragsveranstaltungen durch, die mit großen Plakaten z.B. auf sämtlichen Bahnhöfen der Hamburger Schnellbahnen angekündigt wurden. Dabei nahmen renommierte Vertreter der Wissenschaft zu den drängenden Problemen der Sozial- und Wirtschaftsordnung Stellung. Diese Veranstaltungen fanden lange Zeit ein großes Echo. So schrieb eine bekannte Hamburger Tageszeitung am 8. März 1955: "Nicht nur auf Fußballplätzen kann es einem passieren, dass man sich mit einem Stehplatz begnügen muss. Gestern zum Beispiel reichte das Gestühl des großen Hörsaals der Hamburger Universität nicht aus, um alle Besucher zu fassen, die zu Professor Dr. Landshuts Vortrag über die Gegenwart im Lichte der Marxschen Lehre gekommen waren". Zu Beginn der achtziger Jahre wurde diese Veranstaltungsform durch die in der Regel alle zwei Jahre stattfindenden Symposien der Gesellschaft und die Sommer-hochschulen abgelöst, die gemeinsam mit der HWP veranstaltet wurden. Manchmal stand die Gesellschaft der Freunde und Förderer der HWP einzig da, z.B. mit ihrem Symposium zum Gedenken an John Maynard Keynes im Jahre 1983, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Diese gemeinsam mit der HWP umgesetzte Veranstaltung war bundesweit die einzige, die an diesen großen Nationalökonomen erinnerte. Die deutschen Universitäten mit ihren großen wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen oder Fakultäten und den noch größeren Selbsteinschätzungen ihrer Mitglieder hatten für diesen epochalen Geist keinen Gedanken und deshalb kein Gedenken übrig.

Zum dritten ist deutlich hervorzuheben die finanzielle Förderung einer unüberschaubaren Zahl von Veröffentlichungen. Mit der Geschichte der GdFF eng verbunden ist die Tatsache, dass die Hochschule schon bald nach ihrer Gründung als Akademie für Gemeinwirtschaft als Stätte der Wissenschaft hohe Reputation erlangte. Viele herausragende Wissenschaftler waren hier als Lehrer wie Forscher tätig. Sie nahmen zu aktuellen sozialen und wirtschaftlichen Problemen Stellung und verbargen keineswegs das Interesse, Einfluss mit dem Ziel des Veränderns gesellschaftlicher Verhältnisse auszuüben.

Flaggschiff und wissenschaftlicher Ausdruck dieses Bemühens war das 'Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik', das von Prof. Dr. Ortlieb 1956 mit dem ersten Band auf den erfolgreichen Weg gebracht wurde. Dieses Jahrbuch wurde für alle Mitglieder der GdFF ein wertvoller Begleiter während ihres Studiums oder ihrer beruflichen Praxis.

Im Vorwort heißt es:
"Anlass zu diesem Jahrbuch ist der Wunsch vieler heute in Wirtschaft, Verwaltung und Politik tätiger ehemaliger Studierender der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften gewesen, auch nach Abschluss ihres Studiums mit 'wissenschaftlichem Material' versorgt zu werden, das ihnen Anregung und Orientierung für ihre praktische Berufsarbeit bietet.

Besonders zu danken habe ich denjenigen Absolventen der Akademie, die in Gesprächen und Briefen immer wieder ihr Interesse an einer solchen Publikation äußerten und dadurch den Anstoß zu diesem Jahrbuch gaben, sowie der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Akademie für Gemeinwirtschaft, die ihre finanzielle Hilfe zur Verfügung stellte".

Wegen des Wechsels von Prof. Ortlieb war das Jahrbuch ab 1965 eine gemeinsame Veröffentlichung der Akademie für Wirtschaft und Politik und des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs. 1978 hat die HWP die Beteiligung am Hamburger Jahrbuch aufgegeben und eine periodische Veröffentlichung in eigener Regie herausgegeben, das "Jahrbuch für Sozialökonomie und Gesellschaftstheorie". Die Mitglieder der GdFF waren der wichtigste Abnehmerkreis und die Förderergesellschaft über ihren Finanzierungsbeitrag der Garant für das regelmäßige Erscheinen. Der letzte Jahresband des Jahrbuchs für Sozialökonomie und Gesellschaftstheorie erschien 1992.

Die GdFF hat darüber hinaus nicht nur zahlreiche Einzelpublikationen, überwiegend von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der HWP, sondern neben oder nach dem Hamburger Jahrbuch eine Reihe regelmäßiger Veröffentlichungen gefördert und teilweise selbst herausgegeben. Besonders zu nennen sind hier die "Mitteilungen der Gesellschaft der Freunde und Förderer" von 1952 bis 1985, in denen von 1969 bis 1980 auch der Inhalt der Zeitschrift "Gegenwartskunde - Gesellschaft - Staat Erziehung" abgedruckt wurde. Zu verweisen ist ferner auf die "Sozialökonomischen Beiträge - Zeitschrift für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft" von 1990 bis 1993, auf die "Modellanalysen zu Problemen der Wirtschafts- und Sozialpolitik" und "Kleine Schriften der HWP". Zuletzt gab die GdFF gemeinsam mit der HWP die "Schriftenreihe der Hochschule für Wirtschaft und Politik" heraus, in der Monographien, Dissertationen, aber auch Sammelwerke veröffentlicht wurden, wie z.B. jene, die aus den Symposien der Gesellschaft entstanden. Neben diesen regelmäßigen Aktivitäten der GdFF sind noch drei Initiativen besonders hervorzuheben. Erstens hatte die GdFF im Jahre 1963 die Trägerschaft für ein internationales Studentenwohnheim in Hamburg-Groß Borstel (Borsteler Chaussee 95) übernommen. Das Heim, in dem ein Kreis junger ausländischer und deutscher Studierender wohnte, wurde von Beginn an selbstverwaltet. Es wurde auch für die öffentlichen Vortrags- und Diskussionsabende der GdFF genutzt. Weil die erheblichen Kosten nicht aus den Einnahmen des Heimes gedeckt werden konnten, musste die Trägerschaft für das Wohnheim aufgegeben werden, nachdem sich 1967 kein anderer Träger hat finden lassen. Eine übernahme des beträchtlichen Mehraufwandes durch die GdFF war, so die einhellige Meinung des damaligen Vorstandes, mit den Grundsätzen ordnungsgemäßer Geschäftsführung und zweckorientierter Verwendung der Mittel nicht vereinbar. Selbstverständlich wurde dafür gesorgt, dass alle Heimbewohner anderweitig angemessene Unterkunft erhielten.

Zweite herausragende Aktivität der GdFF zu Beginn der siebziger Jahre war der über fast fünf Jahre dauernde Versuch, für Absolventen der HWP sog. Kontaktstudienveranstaltungen einzurichten und auf diese Weise eine institutionalisierte Organisationsform für ein Kontaktstudium zu schaffen. Als integrierter Bestandteil des Lehr- und Studienplanes sollte ein Austausch von Wissen und Erfahrung zwischen den Absolventen und den jeweils Studierenden angestrebt werden. Das Vorhaben scheiterte, weil der Senat die Kosten für zusätzliche Dozenten-Stellen nicht übernahm. Allerdings hatten die damaligen Aktivitäten letztendlich Langzeitwirkung. Knapp 20 Jahre später wurden zwei Kontaktstudiengänge an der HWP eingerichtet, und zwar 'Sozial- und Gesundheitsmanagement' und 'Kultur- und Bildungsmanagement'. Die Mühen haben sich gelohnt, der Erfolg war da.

Als dritte wesentlich neue Aktivität hat die GdFF in den achtziger Jahren - wie bereits erwähnt - eine Reihe von Symposien geplant und umgesetzt. Sie machten die Forschungsergebnisse auf den Gebieten der Arbeits- und Sozialpolitik einem größeren Publikum zugänglich und förderten den wissenschaftlichen Diskurs auch mit den gesellschaftlich relevanten Gruppierungen.

Zum Verhältnis zwischen der GdFF und der Hochschule bleibt über mehr als 50 Jahre hinweg - festzustellen: Natürlich gab es hier und da Spannungen, Dissonanzen. Die GdFF hat stets ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit betont und des öfteren darauf hingewiesen, das Verhältnis, die Beziehung zur Hochschule müsse sich auf gleicher Augenhöhe bewegen, es müsse gleichgewichtig zugehen. Diese Diskussionsprozesse verliefen zwar recht zeitintensiv, am Ende aber stand meist ein Ergebnis, mit dem beide leben konnten.

Welche prägenden Eindrücke die Mitglieder unserer Gesellschaft als Absolventen der HWP mit ins berufliche Leben mitnahmen, hat auf anschauliche Weise Björn Engholm 1982 (damals Bundesminister für Bildung und Wissenschaft) im Hamburger Abendblatt beschrieben: Er nannte die Hochschule für Wirtschaft und Politik gern "meine Hochschule", wenn sich auch später ein Studium an der Universität Hamburg anschloss. Er habe etwas von dem mitbekommen, "was die Gewerkschafter, Genossenschafter und Sozialdemokraten in Hamburg bewegte, ihre Akademie zu gründen: das Bewusstsein der Aufgabe, unsere Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung auf mehr Demokratisierung weiterzuentwickeln, den Anstoß, mich persönlich zu engagieren, und die Bestätigung, dass meine zurückliegende Ausbildung zum Schriftsetzer und die praktische Arbeit im Betrieb keineswegs 'verlorene Zeit' gewesen war. Ganz im Gegenteil." Er hat Selbstbewusstsein aufgebaut, die Bereitschaft zu Verantwortung und zum Kampf für seine überzeugungen ein gutes Stück ausgeprägt. Und er betonte ausdrücklich: "Der zweite Bildungsweg ist ja keinesfalls nur ein Kompensationskanal, eine Möglichkeit des späteren Ausgleichs für versäumte Chancen. Für mich ist er für die Hochschulen zugleich auch ein Frischluftzuführer. Da werden Motive und Arbeitshaltungen ins Studium eingebracht, die im Gymnasium kaum entwickelt werden können."

III. Die Zukunftsperspektiven der GdFF

Die Mitgliederversammlung hat 2005 das Ziel deutlich benannt und als Leitbild der Satzung vorangestellt:

Ganz im Sinne bisheriger Tradition setzt sich die GdFF für die Förderung eines offenen Hochschulzugangs an der Universität Hamburg ein. Die GdFF steht für einen bildungspolitischen Reformansatz/Reformanspruch, sie will die Schranken des herkömmlichen Bildungssystems überwinden helfen und tritt für die Gleichwertigkeit von schulischer und beruflicher Vorbildung für ein wissenschaftliches interdisziplinär angelegtes Studium ein. Entsprechend muss die Zugangs- und Ausbildungspraxis gestaltet sein: Wer keine an Schulen erworbene Studienberechtigung hat, soll über eine Aufnahmeprüfung die Chance erhalten, studieren zu können. Weil in den Anfangssemestern für das Studium erforderliche, bei Studierenden des zweiten Bildungsweges nicht oder nicht mehr vorhandene schulische Kenntnisse zusätzlich erworben werden müssen, unterstützt die GdFF unterstützt deshalb alle Aktivitäten, die den Studierenden den Einstieg in das Hauptstudium erleichtern. Die GdFF setzt deshalb auf eine intensive Kooperation mit dem "Institut für Weiterbildung" [www.wiso.uni-hamburg.de/weiterbildung].

Im Rahmen der großen Universität Hamburg muss es möglich bleiben, was die HWP als kleine, aber feine Hochschule über Jahrzehnte nachweisbar erfolgreich zustande gebracht hat. Die GdFF ist jedenfalls eine kritische Begleiterin der Entwicklung.

Alle Freunde und Förderer bleiben aufgefordert, diese altruistischen Anstrengungen der GdFF mit ihren Beiträgen und Spenden zu unterstützen, frei nach dem Motto: Tut Gutes, redet darüber und werbt dafür, dass diese Chance anderen offen steht und erhalten bleibt. Dieses zivile Engagement ist eine notwendige, aber auch eine die Förderer auszeichnende Anstrengung.
Die GdFF steht zusätzlich als Alumni-Organisation zur Verfügung, um den Kontakt untereinander zu pflegen und als Netzwerk für alle verfügbar zu sein, die z.B. beim Übergang vom Studium zurück in die Arbeitswelt Anregung und Hilfe benötigen.

Die GdFF hat sich nach der Zwangsfusion der HWP mit der Uni HH das Ziel gesetzt, das Studienmodell der HWP auch und gerade unter den veränderten Bedingungen zu erhalten und zu unterstützen. Es wurde deshalb in vielfältiger Weise für den Studiengang geworben und im politischen Raum für eine Absicherung der das Studienmodell ausmachenden Essentials (offener Hochschulzugang und Interdisziplinarität) gekämpft. Nach dem Ende der im sog. WiSo-Gesetz vorgesehenen Übergangsphase ist der Fachbereich Sozialökonomie für den früheren HWP-Studiengang verantwortlich.
Weil die GdFF weiterhin für die Essentials des HWP-Studienmodells eintritt, ist jetzt dieser der Ansprechpartner. Das musste sich auch im Vereinsnamen niederschlagen. Die Mitgliederversammlung hat deshalb am 9. Mai 2009 eine Änderung beschlossen. Der neue Name ist "GdFF - Gesellschaft der Freunde und Förderer des Fachbereichs Sozialökonomie (vormals HWP) e.V.".

Die GdFF soll auch in Zukunft nicht primär eine Alumni-Vereinigung - jetzt für den Fachbereich Sozialökonomie - sein. An erster Stelle der Aktivitäten steht vielmehr die Umsetzung der bildungspolitischen Grundsätze, die in den Leitbildern der früheren HWP und der GdFF stehen. Damit wird klargestellt, dass die GdFF gegenüber den Verantwortlichen für den Studiengang inhaltliche Erwartungen hegt und nicht nur eine Organisation der "Absolventenpflege" sein soll.
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